REPORT MAINZ, FAKT und die Süddeutsche Zeitung decken neuen Tierschutzskandal auf: Tierquälereien in einem der größten deutschen Milchviehbetriebe | REPORT MAINZ | SWR.de

REPORT MAINZ, FAKT und die Süddeutsche Zeitung decken neuen Tierschutzskandal aufTierquälereien in einem der größten deutschen Milchviehbetriebe

Bayerisches Verbraucherschutzministerium schaltet Staatsanwaltschaft ein.

Tierquälerei auf einem Bauernhof in Bayern

Einer der größten Milchbauern Bayerns verstößt eklatant gegen den Tierschutz. Der Milchviehbetrieb Endres in Bad Grönenbach im Allgäu quält nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung sowie den ARD-Politikmagazinen REPORT MAINZ und Fakt seine Tiere.

Das geht aus einer mehrere Wochen umfassenden Videodokumentation aus den Ställen hervor. Die Aufnahmen wurden der ARD und der Süddeutschen Zeitung vom Tierrechtsverein Soko Tierschutz übergeben und zeigen, dass das Personal den Kühen immer wieder schwere Schmerzen zufügt. Die Kühe werden getreten und geschlagen. Tiere, die nicht mehr laufen können, werden mit Hilfe von Hüftklammern und Traktoren durch den Stall geschleift.

Erkrankte Kühe werden in ein Krankenabteil des Stalls gebracht und dort nicht ausreichend versorgt. Über einen Zeitraum von zehn Tagen dokumentieren die Aufnahmen, dass ein spezielles Tier nur sehr wenig Wasser und Futter erhalten hat und außerdem nicht sachgerecht getötet wurde. Es sind mehrere sogenannte Nottötungen zu sehen, bei denen die Tiere mit einem Bolzenschuss betäubt, danach jedoch nicht sachgerecht ausgeblutet wurden. Minuten nach dem Bolzenschuss zeigen einige Kühe noch immer Reaktionen und leiden damit länger als erlaubt ist. Der Bauer Franz Endres will sich zu den Vorfällen bislang nicht äußern, trotz mehrfacher Nachfrage.

Prof. Holger Martens, ein Experte für Rinderhaltung, hat die Aufnahmen für die ARD und die Süddeutsche Zeitung begutachtet. Seine Einschätzung: „Ich habe solche Bilder noch nie gesehen. Sie sind nicht akzeptabel. Das sind unerträgliche Zustände. Das verstößt eindeutig gegen die bestehenden Gesetzte. Es ist bedrückend.

„Bei Kontrollen Anfang Juni nach einer anonymen Anzeige haben auch die amtlichen Veterinäre aus Mindelheim tierschutzrechtliche Verstöße festgestellt. Der Landwirt sei angehalten worden, die festgestellten Mängel sofort zu beheben, heißt es.

Fleisch von kranken Tieren aus dem Betrieb Endres ist zudem in die Lebensmittelkette gelangt. Das bestätigte der Schlachthof Vion in Buchloe. Die Milch der Tiere wurde an die Käserei Champignon geliefert. Das Unternehmen fordert eine lückenlose Aufklärung. „Sollten sich die Vorwürfe als zutreffend erweisen und nicht endgültig abgestellt werden, werden wir weitere Schritte bis hin zur Beendigung der Lieferbeziehungen einleiten“, heißt es.

Inzwischen hat auch das zuständige bayerische Verbraucherschutzministerium reagiert. In einer schriftlichen Stellungnahme vom Montag heißt es: „Tierquälerei ist nicht hinnehmbar. Zum ersten Mal in meiner Amtszeit werde ich mit derartig schweren Vorwürfen gegen einen konkreten Betrieb konfrontiert. Der Sachverhalt muss sofort umfassend aufgeklärt werden. Dazu wurden die notwendigen Schritte durch das Ministerium und die zuständigen Behörden vor Ort bereits eingeleitet. Mir war besonders wichtig, unverzüglich auch die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Hier steht kriminelles Verhalten im Raum. Der Betrieb trägt die Verantwortung für die Tiere. Es besteht der dringende Verdacht, dass diese Verantwortung hier grob missachtet wurde“, sagt Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber, Freie Wähler.

Zudem seien mehrere Sonderkontrollen des Betriebes angeordnet worden und man habe bei der zuständigen Regierung von Schwaben einen Sonderbericht angefordert.

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